27.11.2020

Fair statt mehr!

Ein Aufruf des Forum Fairer Handel


Heute ist wieder Black Friday, der Tag, an dem der Konsum mit (vermeintlichen) Rabattangeboten angekurbelt werden soll. Im Konsumrausch soll vergessen gemacht werden, was häufig hinter den angebotenen Produkten steht: Eine Lieferkette, bei der vor allem die Menschen am Anfang ausgebeutet werden.

Und eine Marketing-Strategie, die unter anderem die Verletzungen von menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten entlang globaler Lieferketten im Konsumrausch vollständig ausblendet. Darauf macht die Aktion #BlackFridaySchickSALE der Initiative Lieferkettengesetz aufmerksam.

Und es funktioniert: Menschen, die in der großen Mehrzahl sagen würden, dass ihnen eine faire Bezahlung, menschenwürdige Arbeit und vor allem das Verbot von Kinderarbeit bei Produkten wichtig sind, kaufen Dinge, die sie bei näherem Hinsehen nicht brauchen. Was passiert also mit den Menschen, wenn sie über die Schwelle der Einkaufsläden treten oder klicken? Vereinfacht gesagt, verwandeln sie sich von werteorientierten Bürger*innen zu Konsumenten*innen, die sich dem Wirken einer massiven Marketing-Maschine nicht entziehen können.

Fair statt mehr! Seit einigen Jahren gibt es nun die Gegenbewegung zum Black Friday: den Kauf-nix-Tag, der dem Konsumrausch eine kritische Stimme entgegensetzen will. Aber ist das die richtige Strategie? Geht es wirklich darum, in eine Verweigerungshaltung zu gehen? Lässt sich so langfristig eine sozial-ökologische Transformation erreichen?

Menschen, die seit vielen Jahren im Fairen Handel tätig sind, haben darauf eine andere Antwort: Statt sich dem Konsum zu verweigern, stoßen sie Debatten an, wie ein ethischer und nachhaltiger Konsum aussehen soll. "Fair statt mehr" war nicht umsonst das Motto der diesjährigen Fairen Woche. Ja, dabei geht es darum, das Wachstums- und Konsumdogma unserer Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und zu verändern. Es geht aber eben auch darum, Alternativen aufzuzeigen und Produkte auf den Markt zu bringen, bei denen der Mensch und der Planet – nicht der Profit – im Vordergrund stehen.

Wir müssen lauter werden! Die Stimmen für einen gerechteren Welthandel müssen lauter werden, sie müssen koordinierter sein, sie müssen sich durch die Kooperation mit anderen Bewegungen verstärken und sie müssen auch unbequemer und radikaler werden. Damit ist in groben Zügen auch das Programm des Forum Fairer Handel für die nächsten Jahre umschrieben. Wir werden mitwirken an der sozial-ökologischen Transformation, indem wir Missstände wie unfaire Handelspraktiken und Dumping-Preise anprangern. Wir werden aber auch zeigen, dass der Faire Handel bereits seit vielen Jahren funktionierende Alternativen schafft. Wir werden auch weiter zusammen mit anderen für wichtige Gesetzesvorhaben wie das Lieferkettengesetz streiten.

Kurz und gut: Wir werden uns einmischen! Gemeinsam mit Ihnen wollen wir den Black Friday zum Fair Friday machen. Wie das geht? Hier drei Tipps von mir:

Werden Sie aktiv: Sprechen Sie heute mit Menschen über Konsum und wie dieser nachhaltig und fair werden kann! Teilen Sie die die Aktion #BlackFridaySchickSALE mit so vielen Menschen wie möglich und machen Sie so die Schicksale, die hinter unfairen Lieferketten stecken, sichtbar.

Machen Sie den Black Friday fair! Gehen Sie ruhig shoppen! Kaufen Sie den Weltladen in Ihrer Nähe leer! Wenn Sie in den Supermarkt gehen, kaufen Sie nur Produkte, die eines der von uns anerkannten Erkennungszeichen hat – Oder shoppen Sie in den Online-Shops unserer Mitglieder (El Puente, GEPA, Globo, WeltPartner), die alle für eine 100 % faire Handelspartnerschaft stehen.

Last but not least: Unterstützen Sie uns in unserer Arbeit: Wir im Forum Fairer Handel haben uns für 2021 viel vorgenommen. Eine unabhängige und auch immer wieder unbequeme Stimme des Fairen Handels können wir aber nur sein, wenn wir dabei auch Ihre Unterstützung haben. Denn dazu brauchen wir auch frei verfügbare Gelder. Deshalb freuen wir uns über jede Einmalspende, besonders aber auch über regelmäßige Spenden, z.B. monatliche Spendenzusagen für das nächste Jahr. Das Spendenformular finden Sie auf unserer Webseite Denn auch wir wollen mehr bewirken. Aber nicht verdeckt, wie in dem eingangs zitierten Gedicht, sondern mit Transparenz und Ehrlichkeit.