Textilien

Weiche Baumwolle, leichte Seide, kühles Leinen und geschmeidiger Hanf - Naturtextilien werden immer beliebter und das Angebot von öko und fairer Kleidung zunehmend modischer. Bio-Baumwolle wird ohne Pestizide, synthetischen Dünger und gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut, die Ernte erfolgt mit der Hand und ohne den Einsatz von Entlaubungsmitteln. Die Umsätze mit Ökobaumwollen  haben sich in den letzten Jahren verdoppelt, dennoch beträgt der Anteil der Bio-Baumwolle nur 0,1 % der weltweiten Baumwollproduktion. (Quelle: Organic Exchange und IVN – Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft.)

Auch beim Färben, der Bearbeitung der Stoffe, der Verwendung von Garnen, Gummibändern und Knöpfen verzichten Hersteller von Öko-Kleidung auf die Verwendung umweltschädlicher Chemikalien und bevorzugen natürliche Produkte.

Fair gehandelte Baumwolle

Seit Herbst 2007 gibt es auf dem deutschen Markt auch ökofaire Textilien! Die Baumwolle aus Fairem Handel, die mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet wurde, stammt aus Burkina Faso, Peru, Indien, Kamerun, Senegal, Ägypten und Mali - dort wird sie von Hand gepflückt und natürlich bewässert. Fairtrade fördert einen langfristig nachhaltigen Entwicklungsprozess sowie umweltfreundliche und sozial-verträgliche Anbau- und Verarbeitungsmethoden. Zudem wird bei der Baumwollproduktion keine genmanipulierte Saat verwendet. Von Fairtrade profitieren demnach nicht nur die Bauern, sondern auch die Umwelt.

Das Fairtrade-Siegel als Anhänger und als eingenähtes Etikett am Produkt gibt Ihnen die Sicherheit, dass Baumwollproduzenten einen fairen und stabilen Preis für ihre Baumwolle erhalten. Auch alle anderen Hersteller innerhalb der Produktionskette wie Spinnereien, Webereien oder Konfektionäre verpflichten sich, die anerkannten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einzuhalten.

Beschaffende: Großverbraucher Diakonie und Caritas

Diakonische Einrichtungen, insbesondere im stationären Bereich der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, sind Großverbraucher von Textilien. Dabei geht es in erster Linie um „Flachwäsche“, d.h. um Bettwäsche und Frottierwaren sowie um Arbeitskleidung. In aller Regel werden diese Produkte nicht selbst gekauft und gereinigt, sondern es werden sog. „Textile Vollversorger“ beauftragt. Sie kaufen die Textilien ein und vermieten sie, einschließlich der Reinigung und des Transportes.

Nach bisheriger Erkenntnis sind die Textilen Vollversorger bemüht, nachhaltig zu wirtschaften. Die ökologischen und sozialen Bedingungen, unter denen ihre textilen Produkte hergestellt werden, spielen jedoch in aller Regel keine Rolle. Ergebnisse einer Umfrage der Diakonie Rheinland Westfalen Lippe (RWL) und Gespräche mit Diakonischen Einrichtungen in Westfalen zeigen, dass diese Frage auch von der Kundenseite nicht gestellt wird. Kriterien der Qualität und des Preises stehen im Vordergrund.

Öko-faire Beschaffung / Miete von Textilien im Bereich der Diakonie ist somit ein neues Thema. Es geht hier um sehr große Mengen, so verbraucht  z.B. ein Krankenhaus mit 800 Betten mehr als 3 t Wäsche pro Tag. Deshalb hat die Diakonie hier die Möglichkeit zur Umsetzung des Auftrages der Schöpfungsbewahrung in einem konkreten ethischen Punkt. Dies bietet auch eine Chance: Der Umstieg auf öko-faire Textilien kann den Markt beeinflussen, kann Unternehmen dazu bewegen, Menschen- und Arbeitsrechte zu beachten. Der Umstieg kann auch das eigene Profil schärfen, sowohl nach innen als auch in der Öffentlichkeit.

Wenn auf den Webseiten und in den Broschüren der Diakonie zu lesen wäre: „Unsere Bettwäsche und die Arbeitskleidung unserer Mitarbeiter*innen sind ökologisch und fair produziert“, hätte dies enorme öffentliche / mediale Wirksamkeit.

Textilbündnis

Als Reaktion auf die Katastrophe von Rana Plaza hat Bundesminister Gerd Müller (BMZ) im Oktober 2014 ein „Bündnis für nachhaltige Textilien“ ins Leben gerufen.  Ziel dieses Bündnisses sind nachprüfbare soziale und ökologische Verbesserungen in der gesamten Wertschöpfungskette von Textilien und Bekleidung, z.B. durch die Zahlung von existenzsichernden Löhnen. Es ist ein neuer Versuch, auf freiwilliger Basis Veränderungen zu erreichen. Der Mehrwert dieses Textilbündnisses – im Vergleich mit vergangenen Initiativen -  besteht darin, dass es verschiedene Akteur*innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Ministerien zusammenbringt (Multi-Stakeholder-Ansatz) und Gewerkschaften wie Zivilgesellschaft in Produktionsländern einbeziehen will. Nach heutigem Stand sind 72 Textilunternehmen Mitglied. In diesem Jahr müssen alle Mitglieder des Textilbündnisses Maßnahmenpläne und Fortschrittsberichte veröffentlichen.

Beauftragter für nachhaltige Textilien in der Ev. Kirche von Westfalen

Pfarrer Dietrich Weinbrenner ist Beauftragter für nachhaltige Textilien und berät und begleitet kirchliche und diakonische Einrichtungen bei der Umstellung auf öko-faire Textilien.
Kontakt:
Dietrich Weinbrenner
T. 02302-912346
weinbrenner-d(at)vemission.org